Rückblick: 100 Jahre FSV „Saxonia“ Tangermünde 1900-1938
Nach dem sich am 28. Januar 1900 im Leipziger Mariengarten der Deutsche Fußballbund (DFB) gegründet hatte, bildeten sich danach sehr schnell auch die einzelnen Landesverbände, so auch der Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine (VdMBV), in den Saxonia später organisatorisch eingebunden war. Der Wunsch, in Tangermünde einen Fußballverein zu gründen, bestand schon einige Zeit. Inspiriert dazu wurden die Tangermünder offensichtlich von den Briten. Von 1905 bis Ende 1906 arbeiteten 8 Engländer als Monteure in der Zuckerraffinerie, alle begeisterte Fußballer. Sie nutzten jede freie Minute, um auf dem sogenannten MTV-Platz (MTV- steht für Männer-Turn-Verein) hinter dem Wäldchen dem Ball nachzujagen. Nicht selten sahen bis zu 50 Zuschauer diesem Ballspiel zu. Ostern 1907 setzten sich im ehemaligen Waldschlößchen 21 junge sportbegeisterte Männer zusammen und gründeten den 1. FC Saxonia 07 Tangermünde. Zu ihrem 1. Vorsitzenden wählten die frischgebackenen Saxonen den Lehrer Paul Rehbein, der dieses Amt bis 1913 bekleidete. Weiter gehörten zum Vorstand: Willy Wohlfahrt (Angesteltter)- 2. Vorsitzender, Paul Gerisch (Prokurist) - Schatzmeister, August Schulz (Angestellter) - Organisation und Erich Stich (Malermeister) - Spielbetrieb.Der Lehrer Paul Raubein war der 1. Vorsitzende des Tangermünder Fußballvereins Saxonia.
Hermann Göpfert, Prokurist der Saxonia-Werke in Ludwigsburg, die in Tangermünde ein Motorenwerk ansiedeln wollten, „sponserte" für den Namen Saxonia 25 Goldstücke ä 20 Mark als Startkapital. Paul Göpfert. Sohn von Hermann Göpfert (er war Gärtnermeister bei Zuckermeyer und später Stadtgärtner in Tangermünde), baute zwischen 1928 und 1930 den heutigen Hauptspielplatz. Das erste Spiel fand Pfingsten 1907 gegen Rathenow statt (Der „Stadt-Anzeiger" hatte in seiner Oktober-Ausgabe darüber berichtet). Bis 1908 fanden alle Spiele auf freundschaftlicher Basis statt. Ab1908/09 wurden die einzelnen Spielklassen gegründet. Folgende Einteilungen gab es am Anfang: Kreisklasse, Bezirksklasse und Gauliga. Saxonia begann in der Kreisklasse Altmark mit Victoria Stendal, Preußen Stendal, Minerva Wittenberge, Hertha Wittenberge, FC Wustrow, Rathenower BSC. Gardelegen, Salzwedel u.a. Die Tangermünder Fußballer spielten in dieser Klasse eine sehr gute Rolle und waren immer im oberen Drittel zu finden. 1927 stieg Saxonia erstmalig in die Bezirksklasse auf. Die wichtigsten Spieler der damaligen Zeit waren: Franz Herbst, Hermann Kater, Walter Lukas, August Schulz, Torwart Willi Hagen. Otto Seifert, Ernst Kionka, Willi Odoj, Reinhold Lewin, Herbert Füllgraf, Otto Nöhl, Walter Sobanski und Franz Klitzing. Willi Mahler trainierte von 1916 bis 1926 die Mannschaft. In der Bezirksklasse konnte sich Saxonia nur zwei Jahre behaupten. Die Mannschaften aus Magdeburg, Victoria 96, Cricket 08, FSV 96, sowie Teams aus Dessau, Zerbst, Halberstadt, Wernigerode, Thale, Aschersleben und Bernburg hatten doch den längeren Atem. Im Jahre 1934 schaffte es Saxonia erneut in die Bezirksklasse und blieb auch bis Kriegsausbruch dort angesiedelt. Im Jahre 1937 wurde Saxonia Meister des Bezirkes Magdeburg und nahm an den Aufstiegsspielen zur höchsten Klasse Deutschlands, der Gauliga, teil. Leider fehlte im letzten Spiel etwas Glück und der Aufstieg mißlang.Trotz der jährlich zu absolvierenden Punktspiele organisierte Paul Gerisch nach jeder Saison ein Abschlußspiel gegen namhafte Mannschaften. Die stärksten Gegner seien hier noch einmal genannt:
1912 in Berlin gegen Blau-Weiß Berlin - 1:0 gewonnen 1916 in Tangermünde gegen Hannover 96 - 2:0 gewonnen 1918 in Magdeburg gegen Victoria Magdeburg - 4:2 gewonnen 1922 in Berlin gegen Blau-Weiß Berlin - 3:2 verloren (Dieses Spiel fand aus Anlaß der Einweihung des Berliner Funkturms statt, als die Stadtbezirke großeVolksfeste veranstalteten.) 1931 in Peine gegen den VFB Peine - 3:2 gewonnen.
Das wohl ereignisreichste Spiel fand am Freitag, dem 13. Mai 1938 statt. Saxonia hatte keinen geringeren Verein als den Dritten der Deutschen Meisterschaft, Fortuna Düsseldorf, zu Gast. Das Spiel wurde zwar vor 3000 Zuschauern mit 1:7 verloren, aber das erste Tor erzielte der legendäre Mittelstürmer von Saxonia, Werner Römer. Vor Beginn des 2. Weltkrieges waren folgende Spieler die Stützen von Saxonia: Willi Heinrich, Karl Heinrich, Otto Heinrich, Werner Römer, Heinz Drobeck, Walter Knitter, Ernst Wyrembeck, Franz Pelka und Heini Brückner, um nur einige zu nennen.
Saxonia im Jahre 1919:v.l.n.r.: Paul Gerisch, Franz Herbst, Walter Lukas, Hermann Kater, Herbert Füllgraf, August Schulz, Willi Hagen, Balljunge Günter Gerisch, Otto Seifert, Otto Nöhl, Ernst Kionka, Reinhold Lewin, Willi Odoj, Trainer Willi Mahler









